Dialog-Werkstatt
Unsere Welt ist eine Welt der Beziehungen – ein unteilbares, nahtloses Ganzes. Zu dieser Erkenntnis haben uns die Naturwissenschaften verholfen. In der Quantenphysik rücken
- Beobachtung und Wahrnehmung,
- Partizipation und Beziehungen,
- Einflüsse und Verbindungen
in den Fokus des Denkens – also genau jene Aspekte, die in der komplexen digitalen Welt von zentraler Bedeutung sind. Der Nutzen einer dialogischen Kommunikation für Ihr Unternehmen liegt in der Öffnung des Denkens und der Entwicklung eines neuen WIR. Sie wirkt nach Innen und strahlt nach Außen.
In einer Diskussion oder einer Debatte stehen einzelne Ideen und wohlbegründete Ansichten einander gegenüber. Im Dialog hingegen geht es darum, miteinander bislang Ungedachtes zu denken und einen kreativen Raum entstehen zu lassen. Einen Raum, in dem Sie Klarheit darüber gewinnen können, was für Sie und Ihr Unternehmen essentiell ist.
Digitale Exzellenz ist für Unternehmen heute überlebenswichtig geworden. Wie wäre es mit Kommunikations- und Beziehungsexzellenz als weiterem Alleinstellungsmerkmal?
Dialogische Kernfähigkeiten
Als Kommunikationsverfahren mit eigener Prozessdynamik und Tiefenwirkung beinhaltet der Dialog eine Reihe von Kernfähigkeiten, die ausprobiert und eingeübt werden können. Sie lernen in der Dialog-Gruppe eigenen Annahmen, Überzeugungen und Gefühlen auf den Grund zu gehen, um zu erkennen, was unterschwellig Ihr Miteinander im Unternehmen beeinflusst.
Für das Unternehmen ist es wichtig, Entwicklungs- und Lernräume zu schaffen, in denen Experimente erwünscht und Fehler möglich sind, ohne dass daraus existenzbedrohende Risiken erwachsen.
Menschen werden für den Dialog gewonnen, wenn sie spüren, dass sich durch die praktische Arbeit der Dialog-Gruppe im Alltag etwas zum Guten verändert. Es geht immer darum, was gelebt wird.
Was brauchen Sie für die dialogische Praxis?
- Forschergeist
- Entdeckerfreude
- Respekt
- Gestaltungslust
- Wille zu geistiger Disziplin.
Nicht mehr - aber auch nicht weniger.
Lust auf ein Experiment? Ein Experiment ist – im Gegensatz zu einem Projekt – ergebnisoffen. Es öffnet Denken und Herz, weckt Kreativität, lässt Energien fließen und eröffnet überraschende Perspektiven.
Die 10 Kernfähigkeiten des Dialogverfahrens (MIT) *
Unsere kulturelle Prägung legt uns nahe, als Wissende aufzutreten. Die Haltung des Lerners hingegen fordert Anfängergeist. Wenn ich meinem Gesprächspartner lernbereit und nicht „besser-wissend“ begegne, schaffe ich einen offenen Raum, in dem es möglich wird, alte Denk- und Verhaltensweisen auf den Prüfstand zu stellen.
Experiment:
Outen Sie sich (probeweise) als Lernender und versuchen Sie, die Sichtweise eines Andersdenkenden zu
erkunden.
Aktiver Respekt bedeutet, den anderen in seinem Wesen als legitim anzuerkennen. Das heißt auch, die Grenzen des anderen zu wahren. Ich dränge mich nicht auf, halte mich aber auch nicht zurück oder distanziere mich. Im Dialog kultiviere ich diese Praktik. Ich respektiere den anderen. Und mich selbst.
Experiment:
Halten Sie Ausschau nach einem Menschen, von dem Sie sich nervlich strapaziert fühlen. Könnte diese Person ein Lehrer für Sie sein? In welcher Disziplin?
Offenheit entsteht, wenn zwei oder mehrere Personen bereit sind, sich voreinander von ihren eigenen Überzeugungen zu lösen (David Bohm). Dazu brauche ich Vertrauen, zumindest soviel, dass ich glaube, weder körperlich, noch emotional oder psychisch angegriffen zu werden. In der Dialogischen Praxis achtet der Dialog-Begleiter zuerst darauf, einen geschützten Raum zu schaffen, in dem die Gruppe in den Dialog-Prozess einsteigen kann.
Experiment:
Wird Offenheit in Ihrem Unternehmen gelebt? Wie viel Offenheit möchten Sie sich gegenwärtig zumuten? Welche Bedingungen müssten für Sie erfüllt sein, um mehr zu wagen? Experimentieren Sie in einem geschützten Raum.
Ich rede von dem was mir wichtig ist und mich wesentlich angeht. Ich rede nicht, um rhetorisch zu brillieren und auch nicht um zu „scheinen“ (Martin Buber). Die Ratio spielt eine wichtige Rolle. Schließlich steht im Dialog der Denkprozess selbst im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Experiment:
Teilen Sie einem Ihnen wohlgesinnten Zeitgenossen mit, was Sie wirklich bewegt.
Jeder weiß wie es sich anfühlt, wirklich gehört zu werden. Ein solches Gespräch gleicht einer Einladung in ein weites, generatives Feld. Einsicht, Kreativität und Tiefe können zum Vorschein kommen – auch Verbundenheit. Unsere Klarheit nimmt zu, wenn es gelingt, vage Vorstellungen in Worte zu fassen. Zuhören setzt Innere Stille voraus.
Experiment:
Haben sie schon einmal bewusst Zeit im Schweigen verbracht? Sie könnten an einem ZEN-Retreat teilnehmen. Oder Sie gehen in ein Kloster und lassen den Rhythmus der Stundengebete auf sich wirken. Finden Sie Ihren Weg, still zu werden.
Neuerungen kommen oft mit einer gewissen Eilfertigkeit daher und mitunter ist es notwendig, dagegen zu halten und der Hast, mit dem Mut zur Besonnenheit zu begegnen. Das heißt: sich Zeit zum Nachdenken zu nehmen. Es liegt in der Natur des Dialogs, dass einer nach dem anderen spricht und nicht alle durcheinander. Der Dialog verlangsamt die Handlung mit dem Ziel, Verständnis und Wirksamkeit zu erhöhen. Paradox: die Verlangsamung bringt Geschwindigkeitsvorteile mit sich – indem Reibungsverluste abgebaut werden, wirkt sie beschleunigend.
Experiment:
Atmen Sie 5 Minuten so, wie Sie als Baby geatmet haben. Natürlich. Bauch raus beim Einatmen – Bauch rein beim Ausatmen (Zwerchfellatmung). Sie werden rasch spüren, dass zwischen Geist und Körper Gegenverkehr herrscht. Es kommt was in Fluss – und zur Ruhe.
Wir setzen uns in Beziehung zu unserer Umwelt, bewerten und beurteilen ohne Pause. Unsere Entscheidungen und Handlungen sind Ergebnis von Urteilen, die wir auf der Grundlage unserer persönlichen Annahmen fällen. Unsere Annahmen formen unsere persönliche Landkarte, sie sind die Bausteine, die wir zusammentragen, um aus der Welt schlau zu werden. Im Dialog steigen wir aus dem Reiz- Reaktions-Schema aus. Wir unterbrechen automatisierte Kettenreaktionen durch Aufmerksamkeit und Verlangsamung. Wir halten unsere Annahmen „in der Schwebe“ (und hören zu!)
Experiment:
Identifizieren Sie Ihre Lieblingsannahme über die Welt. Denken Sie für kurze Zeit ihr Gegenteil. Was spüren Sie im Kopf und im Herzen?
Wir neigen dazu, unsere Annahmen vehement zu verteidigen und andere Sichtweisen auszuklammern. Indem ich meine subjektiven Ansichten in den Dialog gebe, erfahren sie eine Veränderung, die meine Position öffnet. Ich kann reflektierter in Beziehung zu mir selbst und zu anderen treten, und werde eher bereit sein, die Annahmen zu betrachten, die meinem Standpunkt zugrunde liegen. Ich lasse andere an meinem Denk-Prozess teilhaben anstatt sie mit meinen Denk-Produkten zu konfrontieren. Ich trete angemessen für meine eigenen Interessen ein.
Experiment:
Lassen Sie einen anschlussfähigen Gesprächspartner teilhaben an Ihren Beobachtungen, Gedanken und Interessen. Schaffen Sie Raum zum „Gemeinsam-Denken“.
Einfache, klare und aufrichtige Fragen beleben jeden Dialog-Prozess. Wir sind es nicht gewöhnt, solche Fragen häufiger zu stellen. Vielleicht, weil in unserer Kultur so viel Wert auf Wissen gelegt wird und Fragen als Zeichen von Dummheit oder schlechten Manieren gelten könnten. Behauptungen, die der Kaschierung von Unhöflichkeiten und Inkonsequenz dienen, engen den Erkundungsprozess ebenso ein, wie der Wunsch nach raschem Einverständnis hinderlich sein kann für das Gewinnen neuer Sichtweisen.
Experiment:
Stellen Sie eine einfache Frage aus einer Haltung der Neugierde und Aufmerksamkeit – vorausgesetzt Sie sind an einer Antwort interessiert. Wie fühlt sich das an?
Gewöhnlich gehen wir davon aus, dass unsere Reaktion sich direkt aus dem konkreten Verhalten des Gegenübers ableitet. Selten sind wir uns bewusst, dass unsere Haltung zu einem Gesprächspartner davon bestimmt sein kann, welche Gefühle oder Erinnerungen beispielsweise seine Stimme in uns auslöst. Es kann erhellender sein, zu beobachten wie wir aufeinander reagieren, als uns auf ein Thema zu konzentrieren. Die Quantenphysik hat uns zu dem Verständnis verholfen, dass es keine objektive, richtige oder beste Antwort auf eine Frage gibt. Ich beeinflusse die Antwort durch meine Erwartung und Intention. Indem ich mit Hilfe meines Inneren Beobachters den Fluss vorbeiströmender Gedanken und Gefühle beobachte, werde ich mir meines eigenen Denkprozesses bewusst.
Experiment:
Lernen Sie Ihren Inneren Beobachter kennen und treten Sie in einen Dialog mit ihm ein. Entwickeln Sie Zeugen-Bewusstsein – schauen Sie von außen drauf.
*nach Dr. Martina Hartkemeyer und Prof. L. Freeman Dhority, Dialog-Projekt Osnabrück